Man kann nicht nicht kommunizieren
29. Nov
Hoi,
heute gibt es mal wieder etwas ernsteres. Da es hier vor kurzem – dank Sandras sehr gelungenem Artikel – schon um Weihnachtsstimmung und den damit verbundenen Stress ging, kommen heute die Gründe dafür. Natürlich ist die Kommunikation dafür verantwortlich. Aber wieso? Wenn ihr das wirklich wissen wollt, dann nehmt euch jetzt etwas Zeit. Den folgenden Essay musste ich für die Schule schreiben. Das Thema war “Man kann nicht nicht kommunizieren”. Meine Deutschlehrerin fand meinen Essay gut und gab mir eine 1,5 dafür. Was gebt ihr mir?
Kommunikation ist ein sehr dehnbarer Begriff. Man kann Kommunikation anfassen, hören und sogar spüren. Ich kommuniziere gerade mit Ihnen über ein Blatt Papier – das ist etwas, was man anfassen kann. Ohne Kommunikation können wir Lebewesen nicht leben.
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht kommunizieren. Es beginnt mit einem „guten Morgen“ und endet oft mit einem „gute Nacht“. Dazwischen gibt es unzählige Situationen, in denen wir mit anderen Menschen kommunizieren, auch wenn wir das eigentlich gar nicht wollen – es passiert einfach. Schauen wir einen Menschen an, ist es schon passiert: wir haben kommuniziert. Ein Blick sagt manchmal mehr aus als Worte.
Die Gestik und die Mimik werden übrigens in die „nonverbale Ebene“ eingeordnet sowie alles, wobei nicht gesprochen wird. Insgesamt gibt es drei verschiedene Ebenen in der Kommunikation. Neben der eben genannten sind es die „verbale Ebene“ (also alles Sprachliche) und die „sprecherische Ebene“. Der Sinn einer Mitteilung entsteht auf allen drei Ebenen. Der sprecherischen Ebene werden die Stimme und der Ton zugeordnet. Diese beiden Dinge sind ebenso ein sehr ausschlaggebender Teil in der Kommunikation – der Ton macht die Musik. Ist die Stimme laut und aggressiv, ist klar, dass man dieses Gespräch eher dem Streitgespräch zuordnen kann. Bei einem guten Gespräch sind alle drei Ebenen kongruent, stimmen also überein. Ist dies nicht der Fall, sind die Ebenen inkongruent. Ob die Ebenen kongruent oder inkongruent sind, hängt von den Äußerungen des jeweiligen Gesprächspartners ab.
Ein Modell der Kommunikation hat Frieder Schulz von Thun entworfen. Den Sender verlässt die Nachricht, die vier verschiedene Merkmale aufweisen kann. Das sind der Sachinhalt, die Beziehungsdefinition, die Selbstoffenbarung und der Appell.
Was die Kommunikation am Leben hält, ist die Interpretation bzw. die Deutung. Nach jeder Aussage interpretiert der Gesprächspartner (zu einem gelungenen Gespräch braucht es übrigens zwei Gesprächspartner) was und wie der andere seine Aussage gemeint hat. Es kommt nicht selten vor, dass eine Person falsch interpretiert und so ein Streit entsteht – das ist unvermeidbar; Fehler sind bei uns Menschen sowieso unumgänglich.
Natürlich gibt es für Gespräche auch Gesprächsregeln, an die sich jeder Gesprächspartner halten sollte, damit das Gespräch auch gelingt. Dabei gibt es auch Gesprächsregeln für einen gelungenen Streit. Der perfekte Streit entsteht, wenn die Gesprächspartner aneinander vorbeireden – ach, und am besten noch durcheinander und mit schön vielen Beleidigungen. Es soll sich ja lohnen. Ganz cool kommt ein Streit, wenn man für seine eigenen Argumente keine Gründe aufweisen kann. Der Gesprächspartner wird sicher auch sehr begeistert sein, wenn man ihn zurechtweist, ihm droht und auf keinen Fall von seinem Standpunkt abweicht. Allerdings empfehle ich so ein Gespräch nicht bei besten Freunden.
Viel ruhiger geht es bei einem gelungenen Gespräch zu. Man hört dem anderen zu, unterbricht ihn nicht und geht hin und wieder – auch wenn es einem schwer fällt – auf Kompromisse ein. Beleidigungen kommen überhaupt nicht gut an und man sollte immer beim Thema bleiben womit Frauen manchmal etwas Probleme haben, da sie gerne in der einen Sekunde von ihrem letzten Einkauf und in der nächsten Sekunde vom nächsten Wochenendbesuch bei den Schwiegereltern redet. Frauen springen eben gerne im Themenpool rum, während wir Männer uns eher freuen würden, wenn sie körperlich springen würden. Okay, hiermit wäre ein Gespräch mit mir schon zu einem Streitgespräch geworden, da ich beleidigend bzw. anstößig wurde – manchmal sollte man eben lieber Schweigen. Jetzt kommt es gut, wenn ich Fehler eingestehen würde. Das ist fast so wichtig wie einander vertrauen und Verständnis zeigen.
Bei unangenehmen Gesprächen ist es wichtig, dass mein Gesicht wahrt. Weiß man, dass auf einen ein schwieriges Gespräch zukommt, kann man sich darauf sogar vorbereiten. Am besten schriftlich, da man so seine Gedanken sehr gut festhalten kann.
Als erstes schaut man in die Vergangenheit. Was verbindet mich zum anderen und was bereitet mir Schwierigkeiten? Was will ich unbedingt wieder haben oder geklärt haben? Natürlich darf man den Blick in die Zukunft nicht vergessen. Was könnten beide Beteiligten in Zukunft besser machen oder was wünsche ich mir für die Zukunft?
Damit das Ganze auch übersichtlich bleibt, sollte man seine Gedanken auch ordnen. Was ist mir am Wichtigsten und was möchte ich unbedingt loswerden? Wichtig bei einem schwierigen Gespräch ist, dass man sowohl Positives als auch Negatives, also Schwierigkeiten nennt. Erleichternd ist es, wenn man mit dem Gesprächspartner Wünsche und gemeinsame Ziele vereinbaren kann.
Männer und Frauen. Nicht nur das Lieblingsthema von Mario Barth, sondern auch ein großer Unterschied in der Kommunikation.
Männer sind eher weniger gefühlsbetont und sprechen locker miteinander. Dabei geschieht der Austausch von Informationen meist kurz und bündig und in einer vereinfachten Darstellung. Männer benutzen gerne auch mal Kraftausdrücke.
Männer sind Schweine, Frauen aber auch: Frauen tratschen nämlich gerne und wechseln öfter das Thema. Okay, das kann man auch nur mit viel Fantasie als schweinisch bezeichnen, die anderen Erkenntnisse der Klasse allerdings überhaupt nicht. Unsere Klasse meint nämlich, dass Frauen oft ihre Hilfe anbieten und sentimental sind. Anstatt Kraftausdrücke wie bei den Männern bieten die Frauen gehobene Wortwahl und schmücken Geschichten gerne aus, was aber auch fatal sein kann. Wenn z.B. jemand von einer Mücke gestochen wurde, wird bei Frauen daraus gerne mal eine Wespe.
Kommunikation ist etwas Tolles. Damit sie aber auch toll ist, müssen die Gesprächsregeln eingehalten werden. Man merkt sofort, dass kommunizieren viel mehr Spaß macht, wenn der andere auch weiß, wie man richtig kommuniziert. Durch neue Medien und das Web 2.0 hat sich die Art der Kommunikation in den letzten Jahren sehr verändert. Während sich die Menschen vor 10 Jahren noch oft miteinander getroffen haben um zu kommunizieren, setzt man sich heutzutage an den PC und chattet in Echtzeit mit der anderen Person. Etwas persönlicher ist es, wenn man mit dem anderen kostenlos über das Internet redet. Aber auch an dieser Entwicklung merkt man: Man kann nicht nicht kommunizieren.
So, vielleicht habt ihr jetzt ja etwas weniger Stress in der Weihnachtszeit. In diesem Sinne noch einen schönen 1. Advent.
Achja: Kopieren für den eigenen Essay bringt nichts – das finden eure Lehrer locker über Google raus und freuen sich euch ne 6 geben zu können.
| Dieser Beitrag wurde von Peter am 29. November 2009 um 15:07 veröffentlicht und unter Gut zu wissen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |







